Griechenland-Roadtrip, August 2014

Nach einem kurzen Zwischenstopp für eine magere Vento-Session am Gardasee setzten wir die insgesamt gut 750 Kilometer lange Fahrt nach Ancona fort. Vermeintlich rechtzeitig starteten wir die Reise recht gemütlich nach dem Frühstück in Malcesine. Wir hatten ursprünglich die Fähre nach Patras am 3. August um 20 Uhr gebucht. Gut drei Stunden später, kurz vor Bologna sorgte ein Sicherheits-Check der Online-Tickets für zwei Panikattacken im Auto und das Reisetempo wurde auf gefühlte Lichtgeschwindigkeit erhöht.

Trotz Umbuchung der Fähr-Gesellschaft beim Reservierungsvorgang auf die Fähre um 17 Uhr, welche uns leider entfallen war, erreichten wir das Doc noch rechtzeitig und bezogen schweißgebadet unsere Koje. Die nächsten 24 Stunden verstrichen in unserem anschließenden komatösen Zustand schneller als gedacht, sodass wir kurz nach der Ankunft in Patras gleich fit für den ersten Sundowner in Griechenland waren. Wenige Kilometer von der Hafenstadt entfernt hielt uns dafür bei guten fünf Windstärken nichts mehr vom „schaumgekrönten“ Korinthischen Meer fern.

Tags darauf sorgte die Strecke von Patras bis Athen für kontinuierlich gen Boden wandernde Mundwinkel: die anfänglich noch groß als „von EU-Geldern finanziert“ betitelte, neue Autobahn überraschte uns in immer kürzeren Abständen mit Maut-Eintreibungen unterschiedlichster Höhe. Die Anmerkung, dass wir allein innerhalb der letzten 20 Kilometer dreimal zur Kasse gebeten wurden (insgesamt ca. 15 Euro) wurde nur mit einem wenig verlegenen Schulterzucken kommentiert. Auch die Antwort auf die Frage, wie viele Mautstationen denn auf den restlichen 20 Kilometern bis Athen noch auf uns warten würden war noch weniger aufbauend: „Ähm… ther´ wil´ cum´ sum´ further.“ Äußerst interessant war auch unsere Erkenntnis, dass man diese Abzocke als Ortskundiger ohne Probleme umgehen konnte, wenn man die Autobahn an der vorausgehenden Abfahrt kurz verließ, um sie bei der nächsten Auffahrt wieder anzusteuern.
Bis auf den „Pflicht-Kultur-Teil“ – die Besichtigung des alten Korinth – brachten wir die Strecke bis zur Hauptstadt daher recht zügig hinter uns.

Bald schon legte schließlich unsere Fähre nach Naxos ab. Auf der Mücken geplagten Insel angekommen quartierten wir uns in einem der einfacheren Campingplätze direkt an Naxos Beach ein, wo wir gleich von alten Bekannten aus der oberbayerischen Heimat begrüßt wurden.

Von langjährigen deutschen „Einheimischen“ als (windsurftechnisch) schlechtester Sommer seit Jahrzehnten betitelt, erbrachte uns der 8-tägige Aufenthalt auf Naxos gerade mal 3 Tage mit den 5.3ern und einige Surfsessions mit den 5.8er-Segeln ein. Darunter einige schöne Flachwasser-Sessions vor Naxos-Beach und Kappelwelle vor Migri Viglia, die zum Springen und Loop-Training einlud.
Von „Naxos-City“ selbst waren wir hoch begeistert: die verwinkelten Handwerker-Gässchen und weißen Fassaden vor der türkisblauen Lagune waren mehrere Erkundungstouren und abendliche Spaziergänge wert. Für noch gehobenere Stimmung sorgten die zahlreichen Cocktailbars der griechischen Postkarten-Stadt.
Bei gutem Nord-Swell sind einige Spots im Norden der Insel die staubige Anfahrt wert, ebenso wie die Steilklippen südlich von Agiassos, deren Besuch uns an windlosen Tagen eine gehörige Portion Adrenalin und Spaß bereiteten.

Zurück auf dem Festland waren wir dank des Traum-Wetters zwar gut gebräunt, surftechnisch allerdings noch nicht wie erhofft auf unsere Kosten gekommen. Umso glücklicher waren wir daher über unsere anfängliche Urlaubs-Planung: wir traten nicht direkt die Heimfahrt über Patras an, sondern hatten uns noch einen 5-tägigen Roadtrip in Richtung der Hafenstadt Igoumenitsa eingeräumt. Von dort aus wollten wir schlussendlich auf Ravenna übersetzten.
Unsere Fahrt von Athen nach Rio führte uns vorerst allerdings – diesmal auf der Landstraße – am korinthischen Meer entlang zur (natürlich gebührenpflichtigen) „griechischen Golden Gate Bridge“. Zwar blieb der Griechenland-typische Meltemi heuer nahezu aus, dafür sollte uns dieser Fauxpas mit drei satten Westwind-Tagen an der Verengung des Korinthischen Meeres am Capo Drepano (Faro) ausgeglichen werden.

Als kurz vor Drepano die Bäume am Wegesrand anfingen zu wanken, wanderte der Blick immer öfter hinunter zum Wasser. Unseren nervöser werdenden Boardhead-Gemütern stach plötzlich ein einzelner Kite-Shop am Rand der Landstraße ins Auge und veranlasste uns zu einer spontanen Vollbremsung. Nur unter Missachtung zahlreicher Verbotsschilder im Industriegelände, das sich im Uferbereich erstreckte, erreicht man den traumhaften Secret-Spot am Leuchtturm des vorgelagerten Caps. Wir hatten darauf gehofft, dort unten einfach irgendwie das Schaumkronen-übersäte Wasser zu erreichen. Was Windjäger tatsächlich erwartet, wenn sie sich den äußerst schmalen Schotterweg direkt am Wasser entlang bis ans Ende der Landzunge fahren wagen, hatten wir allerdings nicht gerechnet: Von Locals und Andy Lachauer – den wir zu unsere großen Überraschung auch hier antrafen – ließen wir uns sagen, dass der Spot an ca. 200 Tagen im Jahr funktioniere, entweder auf West oder aber auch auf Ostwindlagen. Direkt am Wasser bietet die kleine Lagune Platz für gut 20 Autos bzw. Wohnmobile. Es gibt fließend Wasser (Schlauch bzw. Duschen) und eine beeindruckende Baumhaus-Plattform sowie Bänke – liebevoll von auf Wind wartenden Locals gezimmert.
Bei Wind von früh bis spät für 4.5er bis 5.3er Segel (ab mittags jeweils stärker) genossen wir hier drei Tage lang das fast unglaublich flache Wasser hinter der etwa 40 Meter ins Wasser ragenden Kies-Landzunge. Ein perfekter Spot für Freestyler, Freerider und Fotografen, die ihre Motive aus nahezu greifbarer Nähe bei ihren Moves ablichten können, ohne nass zu werden. Prescht man über die Länge der Landzunge weiter hinaus, findet man zuweilen auch ordentliche Dünungswellen vor, die zum Springen und Loopen einladen.

Stoked und vorerst tatsächlich ausgesurft setzten wir unsere Reise entlang der griechischen Nordwest-Küste also mit willkommener Verzögerungen fort und steuerten die auf dem Weg gelegene berühmt-berüchtigte Halbinsel Lefkada an. Die Traumkulisse des Örtchens Vasiliki, die man aus Reiseprospekten kennt, zeigte sich uns in ihrer vollen Schönheit. Die Surfbedingungen des „perfekten Freeride-Spots“ waren allerdings alles andere rosig: Sie bewegten uns tatsächlich schon nach einer guten Stunde dazu, uns wieder ans Ufer zu retten. Ob am Ende die Enttäuschung oder leicht fassungsloses Amüsement über diese denkwürdige Session überwog, ließ sich nicht so leicht sagen. Vasiliki war für uns definitiv ein einmaliges Erlebnis. Es lässt sich als eine Mischung zwischen Spießroutenlauf, Kochelsee-Böen-Gerutsche hoch zehn, gutem Flachwasser-Spot und einem schlechten Kamikaze-Computerspiel beschreiben.
Das vorherrschende Könnens-Niveau der wimmelnden Surfermasse wurde dabei nur noch von der Unfähigkeit vieler unterboten, die passende Segelgröße auszuwählen. In den direkt vom Berg herunterfallenden Böen (etwa 7 Beaufort waren einige der „Großsegler“ mehr als überfordert damit, ihre 7 Quadratmeterlappen (und größer) ansatzweise unter Kontrolle zu bringen, nur um sich kurz später im nächsten Null-Wind-Loch dann unelegant ins Wasser zu legen. Nach den ersten zehn rasanten Ausweichmanövern beim ersten Schlag (trotz eigentlicher Vorfahrt) erkannte man auch schnell den Grund für den zuvor unerklärlich hohen Anteil behelmter Surfer.
Wir hatten zwischendurch auf den wenigen freien Stellen mit unseren 5er Segeln durchaus Spaß. Beim groß betuchten Gegenverkehr standen dagegen verzweifelte bis panische Gesichtszüge ebenso an der Tagesordnung, wie hysterisches Herumreißen am Gabelbaum, welcher in der Böe einfach nicht mehr das tun wollte, was sein Besitzer von ihm verlangte. Andere reagierten eher mit versteinerter Mimik und verkrampftem „Draufhalten“ – komme was oder wer da wolle. Eine wahre Wonne für Fail-Compilation-Freunde!
Erst abends, als sich die Lagune langsam leerte, wagten sich die vielen jugendlichen, englischen Surflehrer der Stationen zum Freestylen aufs Wasser und hoben damit das Surferniveau abrupt an.
Im Großen und Ganzen kann man Vasiliki als definitiv spannende Erfahrungen bezeichnen, die wir persönlich aber nicht ein zweites Mal brauchen.

Die Heimreise über Igoumenitsa verlief ausnahmsweise nach Plan, sodass wir auf dem Rückweg am Gardasee noch ein paar Tage Wind und traumhaftes Downhill- und Wander-Wetter abgreifen konnten. Wer die Secret-Spots von Campione bzw. Al Pra – traumhafte Wanderwege mit Wasserfällen, fantastischer Aussicht sowie Schluchten und Höhlen – noch nicht erforscht hat, dem wird an dieser Stelle als Alternativprogramm an windlosen Tagen dringendst dazu angeraten!

Mit Freuden blicken wir nun auf einen insgesamt sehr gelungenen Roadtrip zurück. Ob wir den langen Wasser- und Landweg nach Naxos für 50% Windausbeute noch ein zweites Mal auf uns nehmen würden, steht noch in den Sternen.