Chilling and Thrilling in paradise – erste turbulente Tage im Paradies

VORWORT
Hiermit wollen wir uns vorab bei allen Mitlesern entschuldigen, dass wir für den ersten Maui-Bericht so fürchterlich lange gebraucht haben. Kurz gesagt: Maui war zu aufregend und vereinnahmend, wodurch Motivationstiefs und Schreibblockaden verursacht wurden. So kommt nun doch endlich die erste Zusammenfassung unserer Erlebnisse im Windsurfer-Paradies; allerdings gegen Ende nicht mehr strikt nach Datum aufgelistet, da wir teilweise selber nicht mehr wissen, wann was war… aber es war schön 😉

23.2. Erster Tag auf Maui, Kuau
Bis wir den Jetlag und die 2-tägige Anreise ganz verdaut/verdrängt haben, wird es noch etwas dauern. Fürchterlich müde sind wir also sowieso. Darum stehen wir nach wenigen Stunden Schlaf gleich um 7.30 Uhr wieder auf, da uns Ben freundlicherweise auf seinem Weg zum Stand-Up-Paddeln mit nach Kahului nimmt und uns bei Maui Vans (Car-Rental) absetzt. Dort wartet schon der erste finanzielle Schock auf uns, denn wir haben uns mit der Mietkarre saftigst verkalkuliert in unserem tollen Excel-Finanzierungs-Plan. Zum Glück wissen wir zu diesem Zeitpunkt noch nicht, dass uns das auf Maui die nächste Zeit leider am laufenden Band passieren wird…

Zum Windsurfen reicht es die ersten Tage leider nicht, dafür ist der Swell im Moment aber umso größer und überall tönt es schon Tage zuvor: „Am Donnerstag!!! Das wird eventuell the biggest day of the year!“ Sogar die Pros schwingen schon die Werbetrommel in Facebook und kündigen Livestreams von Jaws im großen Stil an. Huiiii, sind wir aufgeregt! Die Besten der Besten des (Wind-) Surfsports einige der größten Wellen der Welt rippen sehen! Dafür würden wir ja trotz passabler Wind-Vorhersage für Donnerstag sogar den ersten eigenen Windsurftag nur zu gerne sausen lassen! Also sämtliche Akkus der Cams laden und den Wecker stellen, um noch einen Parkplatz am Hana Highway zu bekommen.

25.2. THE day of the year – Peahi – Jaws
Wir sind schon längst wach, bevor der Wecker seinen Dienst antritt, denn wir sind tatsächlich ziemlich aufgeregt vor Vorfreude. Schnell noch Frühstücken, Brotzeit einpacken und ab die Post. Wie groß das Spektakel tatsächlich aufgezogen wird, schwant uns bereits, als einige Privatleute sich mit ihren Offroad-Pickups zum Shuttle-Service organisiert haben, der uns und einige andere unwissende Touristen vom Hana-Highway die 2 Meilen runter bis an die Aussichts-Klippen auf Jaws bringt. Angeblich „too muddy to go by normal car“ und „too slippery to walk“… Ähm, naja. Die 20 gelöhnten Dollar für den brasilianisch anmutenden Shuttle-Service stinken uns gewaltig, als wir am Ziel der Fahrt einen großflächigen Parkplatz erreichen, der hälftig von „normal cars“ gefüllt ist… [9. Ach nö!]

Aber egal, wir sind da! Die erste Reihe am Klippenrand ist schon voll besetzt, doch anstatt sich dort irgendwo reinzubatzen, zieht Lani zielstrebig einen kleinen Matsch-Trampelpfad links die Böschung hinunter. Sie hat einen Plan: immer den größten Kamera-Objektiven nach. Der Plan geht auf und wir erreichen etwas weiter im Unterholz den Klippenabsatz mit der Best View über die „Showbühne“. Juhu!

Wir können unseren Augen kaum trauen, als die ersten todesmutigen Surfer sich vom Jetski in die haushohen, brüllenden Monsterwellen ziehen lassen, die nur danach lächzen, einen vom Brett zu holen und erst mal für ein paar unendlich lange Momente zu verschlucken… Wahnsinn! Die nächsten 6 Stunden kommen wir Welle um Welle kaum aus dem Staunen heraus über diese wagemutigen Athleten und die Brecher, die hinter ihnen her sind. Bei jedem Ritt fiebert man von außen mit, als würde man selbst gerade dieses 100-prozentige Gefälle mit einem Affenzahn hinunterdonnern, verfolgt von Tonnen tosenden Wassermassen, mehreren Kamera-Drohnen, Hubschraubern, Flugzeugen und Mega-Kamera-Objektiven, die ihre Serienbilder Maschinengewehr-gleich durchrattern lassen.

Um die besten Plätze nicht zu verlieren sitzen wir uns dabei ziemlich den Hintern platt und warten schlussendlich aber leider vergeblich auf den Auftritt der Windsurfer. Der Wind hat nämlich mal wieder andere Pläne und erscheint bis zum Schluss leider nicht, sodass auch Naish, Swift und Polakow umsonst stundenlang zu dritt auf einem der zahlreichen Jetskis ausharren. Trotzdem ist Jaws einfach ein gewaltiges, äußerst beeindruckendes Erlebnis! Dieses Spektakel muss man definitiv mitnehmen, wenn man irgendwie die Möglichkeit dazu hat.

Wellenreiten Kahului Harbor
Hoch motiviert wollen wir nach diesen Bildern natürlich auch Wellen schlitzen wie die Großen. Obwohl die Wellen im Kahului Hafen am nächsten Tag eher denen einer Badewanne gleichen im Vergleich zu Jaws, schaffen wir es trotzdem uns glorreich die Bretter um die Ohren zu hauen. Sehr erfolgreich platziert Tobi nach einem fatalen Sturz von der ersten 50cm-Welle die Board-Kante direkt auf seiner Nase und zieht beleidigt ab, um mit dem blutenden Cut nicht die Haie anzulocken. Das hindert Lani jedoch noch lange nicht daran, noch eine Stunde fröhlich weiter zu plantschen. Doch einige erfolgreiche Makro-Wellen später legt auch sie sich gepflegt vor ihr Brett, was sogleich mit einem kleinen „Tock“ am Hinterkopf bestraft wird. An Land entlarvt Tobi den kleinen Tock leider doch als größere Platzwunde. Yey! Notaufnahme wir kommen [10. Ach nö!]. Doch der Service in der Emergency des Maui Memorial Medical Centers lässt keine Wünsche offen (außer eventuell einen Kotztüte für Tobi beim Säubern und Tackern der Wunde sowie ein gut gefülltes Bankkonto).

Kanaha Beach Park
Während unseres Aufenthaltes hatten wir eine sehr vielfältige Ausbeute an Mauis Northshore. Größten Spaß versprachen dabei berühmt berüchtigte Trade-Wind-Surftage mit Vorhersagen von etwa 14 Knoten aufwärts aus Nord-Ost bei Sonnenschein (ordentliche Thermikverstärkung durch Mauis 2-Berge-Windmaschine auf gute 5-6, manchmal sogar 7 Windstärken) mit Nord-West-Swell von etwa 1,5-2 m. Dann wurden am ca. 200 m vor dem Strand gelegenen Riff des Kanaha Beach Parks wunderschön laufende gut halbmast- bis zu masthohe (2-4 m) Wellen geschaffen, die man optimaler Weise gleich um 11 Uhr (nach Aufhebung der Windsurf-Sperre) genießen konnte, wenn es noch nicht so voll auf dem Wasser war. Die regelmäßig alle paar Minuten einlaufenden Sets sollte man dabei nicht nur bei Wellenritten, sondern auch bei Höhenflügen immer im Kopf/ Auge behalten, da einen nach einem ungewollten Abstieg schon mal gerne die ganze Verwandtschaft der auserwählten Welle besucht und (je nach Wellen-Höhe) die nächsten Minuten lang im Waschgang beschäftigt.

Kanaha bietet aber auch eine große Bandbreite an ruppigeren Bedingungen: sei es Onshore-Wind mit zerrupftem Swell aus verschiedensten Richtungen und stark auswärts ziehender Strömung, über 4 Meter hohe Mastbrecher, die von sehr wenig Wind gestört mit ordentlich Wumms auf das hüfthoch unter der Wasseroberfläche liegende Riff donnern. An solchen Tagen wurden schon über 10 von den viel beschäftigten Lifeguards aus dem Break gezogene Surfer gezählt – teilweise nur noch mit ihrem Gabelbaum bewaffnet zwischen den Wellen schwimmend.

Grundproblem bleibt bei kleinen Malheurs wie Mastbrüchen allerdings immer die ins Riff ziehende Strömung, der mit herumwabbelndem zerfetzten Rigg nicht an Land zu entkommen ist – Lani schreibt hier aus Erfahrung… dieser Strömung fielen schon unzählige Riggs und Bretter zum Opfer, allerdings sorgen die fleißigen Lifeguards aufmerksam dafür, dass es nur bei Materialopfern bleibt. Danke an dieser Stelle nochmal an Lanis Retter! So bleibt der Verlust von einem nagelneu 10 Tage zuvor erstandenen JP Twinser Quad 2013, einem Neilpryde Firefly 5.3 und Neilpryde Gabelbaum am 18.3. in den Wellen [11. Ach nö!] zwar ärgerlich, aber ersetzbar. 8. Merke: Fahre niemals alleine, bei wenig Wind in masthohe Wellen!!!

Und die meisten der Windsurfer, die sich vor dem Kanaha-Beach-Park im Freischwimmer versucht haben bekamen Erzählungen zu Folge ihr Material tatsächlich (zumindest teilweise) wieder angespült zurück. Leider nicht in unserem Fall. Doch hält es der getriebene Windsurfer-Geist bei Wind natürlich nicht so lange ohne neuen fahrbaren Untersatz aus und hat – zum großen Grauen seines Geldbeutels – schnell wieder neues Equipment am Start. Kurzum: die Länge unserer Weltreise wurde von Maui um einen Monat auf 5 verkürzt, aber dafür auch um unvergesslich schöne Erinnerungen bereichert. Ein großes Dankeschön an dieser Stelle nochmals an den spendablen Robby Swift, der es Lani ein zweites Mal ermöglicht hat, wieder mit dem richtigen Brett Spaß in den Wellen zu haben [11. Puh!]

Spreckelsville
Dieser Spot bot uns grundsätzlich eine schöne Alternative zu Kanaha, wenn uns 1. die Wellen dort zu groß (über masthoch) waren oder 2. uns mehr nach Springen als nach Wellen abreiten war. Spreckelsville ist dank schwer zu findender und zu erreichender Schlamm-/ Offroad-Zufahrt meist auch weniger überfüllt als Kanaha, allerdings gibt es hier im Fall der Fälle auch keine Lifeguards, die einen im Auge behalten. Die Strömung ist hier allerdings auch nicht so tückisch, wie einige Meilen weiter unten im Beach Park, sodass man im Normalfall um einiges unproblematischer wieder an Land schwimmen können sollte. Bei ausreichend Wind kann man hier über schöne Rampen fliegen, ohne (wie in Kanaha) befürchten zu müssen, nach einer missratenen Landung von der größeren Schwester, Bruder, Onkel und Großtanten der armen gerippten Welle heimgesucht zu werden.

Kihei Sunset Beach
Hier schlägt an schwächeren Nordwind-Tagen oftmals das Freestyler oder Freerider-Herz höher, wenn sich der schwache Wind von der wolkenverhangenen North-Shore durch das Tal zwischen den West-Maui-Mountains und dem Haleakala presst und so auf über 30 Knoten beschleunigt wird. Äußerst gemütlich kann man auf dem Golf-Court-ähnlichen Rasen seine kleinsten Segel aufbauen, bevor es zwischen teils sehr flachen Stellen hindurch raus aufs kappelige Flachwasser geht. Eine gute Alternative zu Trübsalblasen im nördlichen Dauerregen an solchen Tagen.

Coming up soon:
Maui von -6m bis 3000m ü.NN und endlich bereit für Hookipa

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Latos-Way-Statistik:

11. Puh!

11. Ach nö!

8. Merke

 
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